Montag, 12. Februar 2018

Läufer trifft Fußballer

Immer wieder kommt es einmal vor, dass mich alte Wegbegleiter aus meiner aktiven Fußballerzeit, die jetzt auch schon im 9.Jahr beendet ist, nochmal zurück ins Boot holen wollen. Natürlich nicht zum kicken, das war schon damals angesichts meiner begrenzten Fähigkeiten nicht die beste Idee. Aber zu Laufen muss so ein Ultrasportler wie ich doch taugen. So denken sich das die Fußballtrainer, zumeist von Natur aus selbst lauffaul und wohl wissend, dass ein vorweg laufender Trainer die beste Vorbildfunktion für die Jungs hat.
Was antwortet man nun auf so eine Anfrage?
"Hallo Thomas, könntest du meine Jungs so richtig fit machen ? Lg😊"
Die Frage an sich ist ja schon ein Anspruch, denn jemanden, der es nicht ist, in wenigen Einheiten "richtig fit" zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. So fiel dann erst einmal meine Antwort aus:
"Auf Deine Frage: Nein, das kann ich grundsätzlich nicht. Ich kann eventuell ein wenig Anleitung geben und einige (Teil-)Einheiten machen, die die Jungs mental weiterbringen und kurzfristig dazu bringen werden, an die konditionellen Grenzen zu gehen. Um sie richtig fit zu machen brauche ich sechs Wochen lang drei Stunden pro Woche und die Zeit haben wir beide wahrscheinlich nicht. Aber wir können ja einmal gemeinsam überlegen, was für uns beide Sinn machen könnte und was sich zeitlich unterbringen lässt".

Auf dieser Basis nahm ich dann mal meine Erfahrungen aus dem Training der Ausdauerschule und den bisherigen Erfahrungen mit Fußballern. Was ist hier wichtig?
Zunächst wusste ich, da der Freund meiner Tochter und ein Ex-Freund meiner anderen Tochter in der Mannschaft spielen, dass es sich herumsprechen würde, dass da so ein Marathon- oder Ultraläufer käme. Entsprechende Befürchtungen würden sich in der Mannschaft ausbreiten und gegebenfalls die Motivation sinken lassen. Denn grundsätzlich läuft der Fußballer nicht gerne ohne Ball am Fuß.
Meist wird in Vorbereitungen reines Lauftraining veranstaltet, d.h. jeder läuft eine mehr oder weniger lange Runde so schnell er kann. Das führt dazu, dass einige konditionsstarke Spieler sich schnell absetzen, die schwächeren Speiler zunächst versuchen, dran zu bleiben und am Ende hoffnungslos demotiviert hinterherhecheln. Jetzt ist eine gleichbleibende oder gar sinkende Belastung nicht unbedingt Sportartspezifisch, was den Fußball angeht. Denn dort ist gefragt, auf Kreisliganiveau eine Distanz von 7-9 Kilometern innerhalb von 90 Minuten in stark wechselnden Tempi abzuleisten. Vom Vollsprint bis zum zügigen Dauerlauf und langsamen Trab ist alles dabei, immer wieder unterbrochen von Standzeiten. Da man in 6 oder 7 Einheiten nicht die Grundlage komplett legen kann, heißt es für mich zunächst, die aktive Erholung zu trainieren. Weiterhin kann man das trainieren, was man gemeinhin als Tempohärte bezeichnet. Nämlich im Grenzbereich der Leistungsfähigkeit den letzten Schritt mehr zu machen als der Gegenspieler.
Wir kamen überein, am 2. Trainingstag nach der kurzen Winterpause zu beginnen und dann drei Wochen lang zwei Mal die Woche eine Trainingseinheit von 45-60 Minuten zu geben.
Zunächst war da der wichtige Traingsauftakt. Nach dem Motto, dass man nie eine zweite Chance hat, einen guten ersten Eindruck zu machen, hieß es für mich, hier nicht zu übertreiben und die ersten Befürchtugen zu zerstreuen.
Claudia kam mit, ich hatte eine Runde durch die Vierbaumer Heide direkt vom Sportgelände aus geplant. Erst einmal hieß es "langsam laufen", damit eben nicht die Stärkeren losliefen wie sie konnten. 6er Pace maximal, nach 1,5 km erste Dehnpause. Danach zogen wir jeweils über 500 m einmal das Tempo an. Beginnend mit 5:20er Pace, danach wieder 500 m locker, dann 5er Pace, zuletzt angesagte 4:15 und die dann als Abschlussüberrascheng über 1000 m, das eigene Sportgelände wieder vor Augen. So haben die kaum gemerkt, dass sie 8 Kilometer gelaufen waren, was durch aus einem Fußballspiel entspricht und ich konnte eine erste Einschätzung des Leistungsstandes  vornehmen. Und die war durchaus positiv.
Dienstag ging es dann richtig los. Da es bei uns relativ wenige verkehrsfreie beleuchtete Strecken gibt, hatte ich mich für die Halde Rheinpreussen entschieden, die ja durch das "Geleucht" im oberen Teil gut ausgeleuchtet ist. Hier ließ ich 4 x 3 x 100 m bergan. Zunächst sollten es 3x3x150 m werden, aber oben angekommen merkte ich, dass die rote Hangbeleuchtung nicht vollständig brannte und somit nur etwa 100 m ausgeleuchtet waren. Aber man ist ja flexibel. Auch hier zogen alle super mit, die schnellen Belastungen leicht bergan wechselten mit langsamem Trab zurück, dann wieder in die Belastung. Freitags auf einer Feldwegrunde um den Platz setzte ich auf 2-2-2-2 Minuten Temposteigerungen mit zwei Minuten Erholungstrab dazwischen. Hier war es zwar dunkel, aber der Trainer fuhr mit dem Auro hinterher und leuchtete ein wenig aus. Im Trab sammelte sich die Gruppe immer wieder. Die letzten zwei Minuten konnte sich die Spitze auf zuletzt unter 4er Pace steigern, ein Zeichen für eine bereits hier gute Konstitution. Eine Einheit, die Tempoausdauer und schnelle Erholungskapazität fördern sollte. Am Ende waren es 8 Kilometer in 5er Pace Gesamtschnitt, eine sehr gute Leistung der Mannschaft. Dienstags trafen wir uns wieder an der Halde, hier stand auf welligem Rundkurs am Geleucht 1 Minute Vollgas, 30 Sekunden Trab, 30 Sekunden Vollgas, 1 Minute Trab auf dem Plan. Das ganze etwa 20 Minuten lang, das hört sich nicht viel an, ist aber auf dem profilierten Kurs durchaus nicht "ohne". Am Ende wollte die Truppe noch ein  Foto am Geleucht machen, dazu sprinteten sie freiwillig noch einmal 200 m bergauf. Ein Zeichen, dass sie doch noch etwas Spaß an der Sache gefunden hatten.
Die Freitagseinheit hatten wir wegen eines Vorbereitungsspiels des Teams auf den Donnerstag vorgezogen. Ich hatte auf einem beleuchteten Weg hinter unserem Lebensmittelmarkt 8 x 400 m mit 100 m Trabpause angesetzt. Mit Blinkarmbändern markierte ich Start, Ziel und Hälfte des Kurses auf der glatt asphaltierten Piste. Da es doch nur 360 m waren, erhöhte ich einfach mal auf 10 x. Hier merkte man schnell, dass 400m eine durchaus anspruchsvolle Distanz ist. Aber auch ich hatte zu kämpfen, um an der Spitze dranbleiben zu können. Im letzten Intervall entwickelten einige einen erstaunlichen Ehrgeiz, aber auch die hinteren zogen noch sehr gut mit. Eine sehr fordernde Einheit, einen Tag vor einem Freundschaftsspiel.
Dienstags ging es dann erstmals an diesem Tage nicht auf die Halde, sondern einfach mal auf Nebenstraßen "durchs Dorf". "Laternenläufe" über gut 25 Minuten, immer wieder einen Straßenlaternenabstand Vollgas und dann einen Abstand Erholung. Die Schwierigkeit liegt hier in den ständigen Wiederholungen des schnellen Antritts und den kurzen Erholungspausen. Auch diese Übung ist für mich sehr Sportartenspezifisch, fordert sie doch genau das, was Sonntags auf dem Platz auch gefragt ist. Zum Schluss der Runde gab es dann das beliebte "Läuferbiathlon". Auf dem Kunstrasenfeld vor der Werbebande drei Schuhkartons, hier waren von der Seitenauslinie 4 Bonbons hinein zu werfen. Pro Fehlwurf eine Runde um den 16er als Strafrunde. Es standen 5 Runden um die weitläufige Sportanlage und den Parkplatz an, jede etwa 1000 m lang. Dann 2 x liegend und 2 x stehend werfen. Es entwickelte sich tatsächlich ein spannender und lustiger Wettkampf, an dessen Ende die meisten etwa 6 Kilometer gelaufen waren und auch noch gewissen Spaß dabei hatten.
Biathlonstadion im Scania-Sportpark, Budberg
Am Ende gab es in der Kabine ein nettes Dankeschön, dass ich in dieser Form nicht erwartet hatte.
Die drei Wochen haben mir schon Spaß gemacht, ich hoffe nun dass die Mannschaft ihre Tabellenführung bis zum Saisonende verteidigen kann.
Für mich war es die bisher beste Laufvorbereitung, da eine stets gute Beteiligung und ein hohes Engagement erreicht wurde. Eine Bestätigung, dass Überraschung und Abwechselung im Programm und auch in den Trainingsorten das Laufen ein wenig interessanter machen kann.

Vielleicht bleibt ja von den Jungs irgendwann mal nach der Fußballerkarriere auch mal beim Laufen hängen....

Donnerstag, 8. Februar 2018

Da ist er wieder - 2018

So, lange habe ich nichts mehr geschrieben. Genau gesagt, den ganzen Januar. Viel Arbeit, viel Training, das Jahr ist gefühlt schon wieder halb 'rum. Es hat sich ein wenig etwas geändert in meiner Saisonplanung. Da ich ja am 1. Weihnachtstag so einen unsäglichen Geburtstag mit einer "0" hinten dran hatte, hat meine liebste Claudia mich mit einem besonderen Geschenk wirklich überrascht: Der Challenge Roth. Was soll ich sagen, es war in der Anfangszeit meiner Triathlon-Versuche Mitte der 90er Jahre ein ganz ganz ferner Traum von mir, einen Ironman zu finishen. Damals war Roth ja noch "der" Ironman Deutschland. Dann hatte ich ja 2013 einmal in Köln eine Langdistanz absolviert, die mich aber irgendwie nicht geflasht hatte. Zu wenig Atmosphäre, ein völlig ideenloser unspektakulärer Zieleinlauf. Ich hatte immer gesagt, wenn noch einmal Langdistanz, dann Roth.

Und meine Claudia hat es tatsächlich geschafft, mit in den berühmten 10 Minuten, bevor der ausgebucht war, einen Startplatz für mich zu ergattern.
Damit sind meine Ziele geändert, ich möchte in Roth möglichst gut abschneiden, dass heißt, dass ich nicht auf die Freiwassersaison warten kann. Da meine Frau ja schwimmtechnisch mehr Nachholbedarf hat als ich, geht es also konsequent seit dem 3.1. jeden Mittwoch um 7 Uhr vor der Arbeit eine Stunde gemeinsam ins Hallenbad, Bahnen ziehen und den Schwimmstil auf ein Niveau bringen, dass mir zumindest eine Zeit so um die 1:30 für die 3,8 km erlauben wird.
Das haben wir bisher konsequent durchgezogen, mit den Zeiten bin ich noch nicht so zufrieden, aber 2000 m gehen schon ganz gut so in 50-52 Minuten. Claudia muss ja für unsere Halbdistanz auf Rügen auch trainieren, gemeinsam kann man sich halt besser aufraffen.
Dazu kommt nun Claudias TorTour-Training. Die Crew haben wir organisiert und alles soweit geplant. Nun heißt es, trainieren.
Leichsinnigerweise hatte ich mir auch noch den Job des Lauftrainers in der Fußballmannschaft meines Schwiegersohnkandidaten für die Saisonvorbereitung andrehen lassen. Das hatte ich aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit diversen Fussballmannschaften unterschätzt. Die Jungs sind wirklich gut drauf, so dass ich bei meinen Tempoeinheiten wirklich alles geben muss, um vorweg laufen zu können. Da sich unser Bahntraining am Montag ohnehin nicht so gut mit den langen Dingern am Wochenende verträgt, war da halt Tempo drosseln angesagt.

Was also sind unsere Pläne und Ziele?

Über allem steht erst einmal, Claudia heil durch die volle TorTour de Ruhr zu bringen. Das sind 230 km und wer lange laufen will muss halt in erster Linie lange laufen und nicht schnell. Grundsätzlich hilft eine höhere Grundgeschwindigkeit, auch so eine Sache schneller und besser hinter sich zu bringen. Darum nehmen wir ja weiter am Bahntraining teil und ebenso am Training der Ausdauerschule am Donnerstag. Zum Einen habe ich dann meine Wochen-Trainingseinheiten im Finstern in Gesellschaft und unter Beleuchtung absolviert, statt allein mit meiner Stirnlampe auf meinen Hausstrecken. Zum Anderen macht man mehr, als man alleine machen würde. Thema ist hier halt der Erhalt der Grundgeschwindigkeit und wenn ich am Tage nach einem Ultra-Training mit 58,5 km die 6 x 800 m zumindest in 5er Pace mache, tue ich noch etwas dafür und mache mich nicht kaputt.
Ich möchte erst einmal mit Claudia gemeinsam für die TorTour trainieren, damit baue ich für mich auch den Grundlagenbereich enorm aus, den ich für Roth benötige. Als "Abfallprodukt" dieser Vorbereitung - ich selbst nehme ja an der TorTour nicht aktiv teil - möchte ich den WHEW 100 Anfang Mai mit einer neuen Bestzeit über 100 km bewältigen, am liebsten dann gleich unter 10 Stunden. Das wäre 12 Minuten schneller als bei meinem Ultra-Debüt 2013 in Biel und eine Pace von 5:45, verpflegungspausen eingerechnet.

Was tue ich dafür?

Hatten wir im Dezember also zunächst einmal den monatlichen Gesamtumfang deutlich erhöht (bei mir 390 km) und bereits 3 Marathonläufe eingestreut, starteten wir im neuen Jahr gleich wieder in Kevelaer mit einem Marathon.  Danach ein Wochenende mit 21 + 36,


dann Samstags hügelige 32 km in Oefte und Sonntags "nur" knapp 15. Der "doppelte Herrmannslauf" über 63 km, den wir am letzten Januar-Sonntag machen wollten, fiel leider aus. Kurzerhand luden Claudia und ich zum Ultralauf "Rund um Rheinberg" ein, den wir mit einer erstaunlichen Anzahl Spontanverrückter dann auch mit 58,5 km ersatzweise realisierten. Am letzten Wochenende dann der geplante Trainingsultra beim Veedels Verzäll auf dem Kölnpfad, wieder mit super vielen netten Leuten und auf einer Strecke, die wir von unseren beiden Kölnpfad-Versuchen nur bei Dunkelheit kannten und die somit bei Licht betrachtet ganz neue Ansichten bot.

Jetzt geht es in den Februar mit den Highlights Marathon in Bertlich, Grüngürtel-Ultra in Köln über 63 km sowie Anfang März vor dem Trainingslager auf Zypern noch dem "Welveraner Hammer" 100 km-Trainingslauf. Dazwischen kommen einzelne Tempoeinheiten, aber nur noch wenige unter "Volllast". Spaß habe ich in jedem Falle an meinem aktuellen Programm.

Zu meinen Erfahrungen mit der morgen endenden Fußballervorbereitung schreibe ich dann beim nächsten Mal. Dauert nicht lange.


Samstag, 23. Dezember 2017

Frohe Weihnachten



Der letzte Arbeitstag ist für mich gelaufen. Das Laufjahr 2017 seit Frankfurt auch. Im Grunde erfolglos. Keine Bestzeit auf den klassischen Strecken, keinen besonderen Ultra gefinished, keine neue Distanz bezwungen. Zwei große Ziele gesetzt, beide verfehlt.
Mit dem Kölnpfad einen wundervoll geplanten Tag für meine Claudia abbrechen müssen und einen unwiederbringlichen Moment verloren. Zu allem Überfluss in wenigen Tagen noch eine weitere Null in meiner Geburtstagsliste.

Ein gebrauchtes Jahr?
Nie gekannten Stress im Beruf über ein halbes Jahr. Dennoch denselben Erfolg wie im Vorjahr, unter viel schwierigeren Umständen.
Die älteste Tochter in die erste eigene Wohnung verabschiedet. Die kleine Tochter 3 1/2 Monate in England gewesen und gerade wieder da.
Ein gebrauchtes Jahr?
Oder eher Zeit für Dankbarkeit. Dankbarkeit für ein weiteres gemeinsames gesundes Jahr mit Claudia. Mit schönen, knapper werdenden Stunden mit der Familie. Mit vielen Freunden bei vielen Läufen, auch wenn es nicht der Flash hinter der Ziellinie war. Freunden und Fremden zu Bestzeiten verholfen. Freude über eine schöne Wohnung der Tochter mit einem glücklichen Start in ein gemeinsamen Lebensabschnitt. Über einen England-Aufenthalt, der meiner kleinen Tochter gut gefallen hat. Wir haben sie soweit bekommen, dass sie auf eigenen Füßen das Leben meistern. Das ist mehr, als manch einer je erhält.

Zeit für Angst? Angst, dass mein alternder Körper irgendwann die ganzen Belastungen nicht mehr mitmacht und auch mich zu langen Pausen zwingt, wie es Freunden von uns passiert ist. Angst vor der Leere in der Wohnung, wenn der Nachwuchs irgendwann endgültig ausfliegt? Angst, trotz immer höherem Aufwand immer weniger Leistung bringen zu können? Angst vor Krankheit, vor Stress, vor Krise in jeder Beziehung? Ist das Ende der positiven Entwicklungen gekommen? Beginnt der langsame, unaufhaltsame Abstieg zum Ende?

Gedanken, die mir bei meinen vielen Läufen in den letzten Tagen durch den Kopf gehen. Aber ich will das nicht. Ich ertappe mich, alles in Frage zu stellen. Immer schneller, immer weiter, immer woanders? Immer mehr, Wachstum, Veränderung? Neue Ziele, immer neue. Und dann? Wenn man irgendwann nicht mehr alles erreicht? Wenn man alleine ist, keiner sich mehr mit einem freut?

Es hört sich so platt an, so weihnachtlich. Sei zufrieden, mit dem, was Du hast. Denke nicht an morgen, genieße den Moment. Aber der ist flüchtig. Und manchmal enthüllt er seine Größe erst lange Zeit später. Wenn wir uns in ihn zurückwünschen, aber weil das nicht geht, ihn immer und immer aufs neue zurückholen wollen. Oder durch einen neuen, noch besseren ersetzen?

Ich war vor kurzem beim Bahnmarathon auch auf einem 50. Geburtstag unter ganz anderen Vorzeichen. Der Mann hat heute seine Laufschuhe zum Verkauf gestellt. Mit den Worten, er braucht sie nicht mehr. Da lief es mir beim Frühstück eiskalt den Rücken hinunter. Echt. Über was rede ich also?

Beim Weihnachstlauftreff habe ich auch wieder Freunde getroffen, die plötzlich gesundheitliche Probleme haben. Das heißt für mich, alles zu relativieren und mich zu freuen, dass es mich eben noch nicht getroffen hat. Und denen das Beste zu wünschen, Ihnen zuzuhören und bei Bedarf da zu sein, die es getroffen hat. Dass ich das so weitergeben kann und es angenommen wird, das wünsche ich mir.

2017 war ein schwieriges Jahr und ich werde einige Herausforderungen mit nach 2018 nehmen müssen. Die sportlichen sind dabei die kleinsten, wenngleich nicht die unwichtigsten. Denn das Rad des Lebens hat viele Speichen. Meine Laufleidenschaft bildet gleich mehrere, die Liebe zu meiner Familie auch. Meine Gesundheit, mein Job und mein Selbstwertgefühl. Man kann mit einer gebrochenen Speiche fahren, aber es eiert dann. Brechen mehrere, dreht sich das Rad irgendwann nicht mehr.



Ich habe noch viele Dinge vor, zu erleben. Wie viele davon man mir gestatten wird, kann ich nicht wissen und wage ich nicht zu hoffen. Ich kann nur wünschen.

In diesem Sinne - besinnliches Fest Euch allen.


 C U on track.





Sonntag, 10. Dezember 2017

Grenzdebil durch die Börde - RuWel 10

Es war mal wieder soweit. Frank Pachura hatte ganz kurzfristig vor dem Wochenende zum RuWel (Rund-um-Welver)-Marathon eingeladen, dem 10. dieser inoffiziellen Gruppenlaufserie auf der fest ausgeschilderten Marathon-Strecke durch 20 Dörfer der Soester Börde. (http://laufen-in-dortmund.de/ruwel-marathon/)
Nachdem wir uns bereits am Samstag beim Lauftreff am See über verschneite Straßen zum Baldeneysee zu einem wunderschönen Trail durch die verschneiten Berge um Essen-Werden gefahren waren, hatten wir uns das für den Sonntag echt bis zum frühen Morgen offen gehalten.

Hier hatte es am Samstag Nachmittag bereits wieder getaut, Sonntag früh schienen die Straßen frei und wir fuhren los. Man muss schon etwas bekloppt sein, um 8 Tage nach einem Bahnmarathon schon den nächsten bei dem Wetterbericht in Angriff zu nehmen. Sollte es zunächst trocken, aber windig sein, wurde für den Nachmittag Schnee in Regen übergehend in Verbindung mit starken Sturmböen angesagt. Egal, es ging los. Sechs Uhr Wecker, halb sieben Frühstück, kurz nach sieben Abfahrt, Ankunf in Welver um kurz nach halb neun. Ralf, Frank und noch Daniela hatten sich versammelt. Das tat schin mal gut, dass es noch mehr bekloppte gab, alle fünf waren letzte Woche schon den Bahnmarathon gelaufen. Ein weiterer Beweis dass Laufen blöd macht, im Kreis laufen noch blöder.
In der Soester Börde lag überraschen wenig Schnee im Vergleich zu uns daheim oder am Vortag in Essen. Dafür stehen da nicht umsonst eine Menge Windräder, denn der Kurs ist recht "windanfällig". Er ähnelt ein wenig dem legendären Bertlich, nur, dass er ein wenig welliger und halt eine große Runde anstelle von drei gefühlt genauso großen Runden in Hertens Norden ist.
Die Strecke ist sehr schön und fest ausgeschildert, alle Schilder sind gut zu sehen. Sie führt über Feldwege, durch insgesamt 20 Dörfer, wobei "Dorf" hier teilweise eine stark beschönigenden Bezeichnung für einige wenige Häuser und Bauernhöfe ist. Die Ortskneipen haben meist geschlosssen, Tankstellen gibt es nicht, Trinkhallen erst recht nicht. So blieb nur die Selbstversorgung im Laufrucksack. Ich hatte meinen Sportdrink schon mit warmem Wasser angerührt, das hielt ganz gut, so dass der Inhalt nicht eiskalt wurde.
Wir schlufften pünktlich um 9 Uhr in der Früh los, so 4:45 - 5:30 Stunden sind zumeist angepeilt, so dass langsames Laufen angesagt war. genau das müsse wir ja wieder üben. Die Gegend der Börde ist - sagen wir mal - mäßig interessant. Einzig einzelne schöne westfälische Fachwerkhöfe oder einzelne schöne Fachwerkhäuser bieten Abwechselung. Sieht man davon ab, dass die Felderm zwischen denen wir her laufen, mit wechselnden Feldfrüchten bepflanzt werden. Wald gibt es nur im Buchenwald zu Beginn ganz kurz und am Ende zwei Mal, so dass auch im Sommer ein schöner Teint garantiert wäre. In unserem Falle fing es leider, nach kurzweiligen 32 Kilometern, wo wir dem wenigen Schnee beim fast vollständigen Abtauen zusehen konnten, doch wieder an zu schneien. Das ist dann dumm, wenn der schneidend kalte Wind von vorne bläst und einem die Focken ins Gesicht treibt.
Wird nämlich ziemlich kalt im Läuferantlitz. Aber wir konnten ja darüber philosophieren, ob wir das von Frank netterweise angebotenen Finisherbier Alkoholfrei wohl würden trinken können oder lutschen müssten.
Aber das soll sich jetzt hier nicht negativ anhören. Wir waren eine tolle Gruppe, kannten uns ja alle mehr oder weniger und hatten einiges zu berichten. Wild spekuliert werden durfte auch über den neuen BXB - Trainer, denn dort ist ein stark gelb-verseuchtes Gebiet. Na ja, die von mir vorgeschlagenen Peter Neururer oder Mehmet Scholl , vielleicht auch das Duo Zorc/Dickel wurden es ja nicht, wie ich auf der Rückfahrt im Radio vernehmen durfte. Als eine von uns Probleme bekam und ab und an Gehpausen einlegen musste, scheinbar hatte das Rundenlaufen in der Vorwoche doch an dem einen oder anderen  Fahrgestell seinen Spuren hinterlassen, machten selbstverständlich alle die notwendigen Gehpausen mit. Mir war das ganz recht, dann das wollten wir ja auch trainieren.
Das ist das Schöne. Hier wurde keiner unruhig, wenn es nicht mehr so schnell vorwärts ging. Alle gingen, wenn gegangen werden musste und liefe wieder an, wenn angelaufen werden konnte. Kein Stress, keine Ungeduld. Das mag ich an diesen Leuten.
Ach ja, und dann war da noch Roland. Auch beim Bahnmarathon letzte Woche dabei und bereits früher bei den RuWels mit am Start. Er erwartete uns bei Kilometer 20 an der Strecke mit seinem mobilen VP und servierte heißen Tee, Weingummi, Kekse und Salzgebäck. Das tat extrem gut in der Kälte und motivierte für die zweite Hälfte. Hier kam Roland uns dann entgegen und hatte sein Fahrzeug dann bei Km 32 noch einmal geparkt. Herzlichen Dank für diesen netten Besuch an der Strecke.
Das Finisherbier habe dann nur ich eingefordert. Lutschen musste ich es nicht, aber es war saukalt. Der Einfachheit halber kippte ich es gleich im Kofferraum mal um, riecht morgen früh bestimmt gut im Heckbereich meines Skoda.
Alles in Allem ein tolles zweites Adventswochenende, Freitag das Gitarrenkonzert bei #laufsportbunertessen, Samstag der Snow-Trail in werden, Sonntag der RuWel. Fast durchgängig an der frischen Luft,viel Schnee, viel Kalt. Viel Verrückt. Nur noch ein Marathon 2017. Wenn  nichts mehr dazwischen kommt.

Samstag, 2. Dezember 2017

Alle Laufen für Steffen - unser besonderer Bahnmarathon


A, L, S. Drei Buchstaben. Und zwei Interpretationsmöglichkeiten. Einmal Amyotrophe Lateralsklerose. Eine Erkrankung die zur fortschreitenden Degeneration jener Nervenzellen führt, die alle Muskelbewegungen unserer Körper steuern. Die Krankheit endet tödlich.

Und es wird nicht genügend geforscht, da die Krankheit zu selten auftritt, als dass es sich für die Pharma-Industrie lohnen würde, Medikamente zu entwickeln, die den Verlauf zumindest stärker bremsen könnten. Ein trauriger Missstand, auf den es immer wieder hinzuweisen gilt. Wer weiß noch, dass wir uns vor üner zwei Jahren alle Kübel  mit Eiswassser über den Kopf geschüttet und hoffentlich auch etwas gespendet haben, um Forschungen in diese Richtung zu finanzieren.

Die Buchstaben stehen aber auch für die Aktion "Alle Laufen für Steffen". Steffen ist ein Läufer. Einer wie wir also. Steffen hatte nicht das Glück, dass wir alle bisher hatten und immer zu haben glauben. Steffen ist betroffen.
Seine Freunde aus dem Laufumfeld, darunter Christian Pflügler, haben diese Aktion ins Leben gerufen und ihm so auch bereits die Teilnahme beim Münster-Marathon ermöglicht.
Frank Pachura hat das hier in einem Video in Szene gesetzt. Ein Jahr zuvor war Steffen hier noch mir einer Zeit unter 3 Stunden mitgelaufen. Das macht nachdenklich.


Damit nicht genug. Am 2.12. wird Steffen 50 Jahre alt. Und zu diesem Anlass wird der ALS-Bahnmarathon ins Leben gerufen. Über Facebook erhalten auch wir eine Einladung zu dieser außergewöhnlichen Geburtstagsparty, denn es sollen möglichst viele aus der Läuferfamilie kommen und mit ihren Startgeldern Spenden sammeln. Alle Verpflegung und die Medaillen konnten aus Spenden gewonnen werden, so dass das Startgeld und weitere Spenden komplett zur Verfügung stehen. Eine tolle Sache, der auch wir uns nicht entziehen wollten. 
Also ging es am Samstag früh um 7 Uhr auf die A2 Richtung Warendorf. Vor dem Lauf gratulierten wir Steffen das erste Mal mit einem Ständchen.  Ich hatte mich ihm vorher kurz vorgestellt, mich für die Einladung und die Veranstaltung vorab bedankt und ihn begrüßt. Was sollte ich sagen?  Nichts war für mich keine Lösung. Wie fühlt sich ein Mensch, der hier im Normalfall mitgelaufen wäre, dies aber nie mehr können wird? Steffen lächelt. Ich bewundere wie er nach außen sein Schicksal meistert. Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Alle meine Gäste laufen zu sehen und es selbst nicht mehr zu können. Wieviel Akzeptanz eines Schicksals muss man sich dazu erarbeiten, um sich am Ende am Lauf der anderen wieder erfreuen zu können?
Wir starten. Die erste halbe Runde fährt Steffen als eine Art "Safety Car" vor dem Läuferfeld her, was sein Spezialrollstuhl hergibt. Keiner überholt. Dann macht er die Bahn frei für uns Läufer. Es sind viele gekommen, sicherlich so um die 100 einschließlich der Staffeln. Ein schönes Bild auf der Tartanbahn des Bundesleistungszentrums der  Bundeswehr, wo sonst Sportsoldaten für olympische oder EM/WM-Ehren trainieren. 

Die Bedingungen wären perfekt, wäre es nicht mit Temperaturen um die 0 Grad sehr kalt geworden. Ich will auf den ersten Runden gar nicht richtig warm werden, also bleibt mein Tempo zunächst alles andere als gemütlich. Runde um Runde zieht dahin, ich reiße ein Maßband aus dem Möbelhaus ab der hundertsten Runde ab, jede Runde einen Zentimeter. zugleich rufe ich laut die noch zu laufenden Runden den Zuschauern und Staffeln zu, in der Hoffnung, man möge mich korrigieren, wenn ich mich doch verzählen sollte. Laufen macht ja manchmal blöd. Und der automatischen Rundenzählanlage mit Transponder vertraue ich nicht so richtig.
Wieder ein Blick auf Steffen, der hält es in der eisigen Kälte sitzend an der Zielgerade aus. Auch das eine tolle Leistung. Denn im Gegensatz zu uns kann er sich kaum bewegen, um sich aufzuwärmen. Das relativiert immer wieder alle Probleme, die sich beim Runden laufen so auftun könnten. Er wäre froh, noch solche Probleme haben zu können. Er ist Läufer und somit sicherlich auch im Kopf unser Rundenbegleiter.
Beim Halbmarathon gönne ich mir 2 1/2 Minuten bei Tatjana am gut bestückten VP, trinke eine Cola und esse ein paar TUCs. Die zweite Hälfte möchte ich nutzen, mich mit unseren Lauffreunden ein wenig zu unterhalten. So ein Bahnmarathon gibt dazu bei jeder Überrundung Gelegenheit. Immer, wenn ich zu jemandem, den ich kenne, auflaufe, bremse ich und laufe ein wenig in seinem oder ihrem Tempo mit. Das geht allerdings nie allzu lange, denn man wird schnell kalt, wenn man sich nicht mehr genug anstrengt. Also laufe ich zwischendurch wieder mein altes Tempo.

Der Sieger geht auf seine letzte Runde, begleitet von Steffen. Unter 3 Stunden. Die beiden haben sich wohl noch vor eineinhalb Jahren Duelle bei diversen Läufen geliefert. Nun fährt Steffen die letzte Runde neben ihm. Sportsgeist und gegenseitige Achtung. Ich bin berührt.
Irgendwann habe auch ich ich die letzten 10 von 105,5 Runden vor mir. Jetzt wird es doch zäh. Aber jeder Blick auf Steffen genügt, um das Ding hier nun durch zu ziehen. Die Zeit ist am Ende unwichtig.

Es war ein schaurig schöner Tag. Schaurig, weil er uns die Endlichkeit unseres scheinbar nie endenden Lebens und unserer Gesundheit vor Augen führte. Klar und hart. Irgendwo will sich niemand in eine Situation hineindenken, die Steffen nun erleben muss. Gerade wir Läufer glauben immer im Unterbewusstsein, wir seien als Sportler irgendwie bessere Menschen, achten auf unsere Gesundheit und teilweise Ernährung unsere Ernährung. Uns passiert "so etwas" nicht.
 Doch! Doch! Doch! Ich sehe es in Gestalt von Steffen. Auch er mag so gedacht haben, noch vor relativ kurzer Zeit.
 Und doch feiert Steffen hier mit uns seinen Geburtstag. Und lächelt. Und ich habe Tränen in den Augen gehabt. Mehr als einmal unterwegs. Aber ist hier nicht auch Hoffnung? Und Freude? Und die Überzeugung, dem Leben genau das noch abzunehmen, was noch da ist und das auszukosten? Restlos.

Ich denke, dazu haben wir heute beigetragen. Es war ein fröhliches Lauffest mit guter Musik, guter Verpflegung und hoffentlich einem guten finanziellen Ergebnis. Vor allem aber ein guter Geburtstag für Steffen. Ich verabschiede mich mit Dank bei ihm und wünsche alles Gute. Und hoffe weiter, dass es mich Sportler schon nicht treffen wird. Wie Steffen.

Dieser Text ist mir nicht leicht gefallen. Wie immer lauern hier tausend Fettnäpfchen, ich hoffe, ich habe die meisten verfehlt. Aber nichts zu sagen ist auch keine Lösung. Wenn eteas schlecht oder schlichtweg unpassend oder falsch formuliert sein sollte, bitte ich um Verzeihung. Es ist meine Sicht. Nur meine. 

Carpe diem




Samstag, 18. November 2017

Erstbegehung Baldeneysteig - Trail und schöne Aussicht (mit Video)

Nun, die Woche begann wie immer mit Bahntaining am Montag. Eigentlich hatte ich keine Lust, als Trainerin Sabine aber das Programm verkündete 200-400-600-400-200 war ich dann doch ganz angetan. So lief es dann auch, schnell war ich mit Mark vorne dabei und gemeinsam pushten wir uns zu immer schnelleren Zeiten. Nach 4 Durchgängen und dem Auslaufen kamen über 13 km zusammen und amtnsten. ede ist man ja bekanntlich froh, dass man es gemacht hat.
Mittwoch drehte ich im Nieselregen allein eine Runde durch den Wald, ich wollte ja schon einmal den Matsch für den Baldeneysteig.
Da ich am Montag ja schon Gas gegeben hatte, hielt ich mich am Donnerstag im Training zurück und begleitete Lauffreund Werner wieder bei seinem Comeback als Brems- und Zugläufer.
Samstag stand dann endlich der Baldeneysteig auf dem Programm. Marc Boehme von Laufsport bunert Essen hatte den im Rahmen des wöchentlichen Lauftreffs am See organisiert und noch gleich einen Schuhtest mit dem Trailsepzialisten "La Sportiva" dazu.

Ich hatte Glück und konnte noch ein Modell "Bushido" ergattern. Was es mit dem Poeten der Deutschen Gangster-Rap-Szene zu tun hat, dessen Musik ich durchaus schätze, kontte ir nicht ebantwortet werde, die Farbe blau sagte mir jedenfalls schien einmal zu. Claudia hat diesen Schuh bereits im Betrieb und konnte somit auf den Test verzichten. Los ging es.
Der Schuh vereinigt für mich zwei wichtige Eigenschaften. Er zeigte Grip auf nahezu jedem Bodenbelag, egal ob Matsch, Schotter oder nassem Asphalt. Gleichzeitig störte seine geschickt profilierte Sohle nicht bei schnellen Asphaltpassagen. Denn das ist oft das Problem. Landschaftsläufe finden selten auf homogenem Bodenbelag statt. Ein zu starkes Profil stört dann beim schnellen Laufen. Das empfand ich bei diesem Schuh gar nicht. Größere oder kleinere Steine waren durch die feste Sohlenkonstruktion nicht zu spüren. Gleichzeitig saß der Schuh perfekt am Fuß. Das Gewicht war deutlich geringer als bei meinem aktuell verwendeten Trailschuh Adidas Supernova Trail GTX, allerdings ist der Bushido nicht wasserdicht. Schon der Lauf durch eine nasse Wiese sorgte für ebensolche Füße. Dafür trocknet das Material sehr schnell.

In allen Geschwindigkeiten fühlte ich mich in dem Schuh einfach wohl. Der Bodenkontakt war direkt, auch das Bremsverhalten bergab in allen Situationen gut und führte nicht zu Druckstellen an den Zehen oder gar blauen Zehnägeln. Die geringe Sprengung von 6 mm lassen mich allerdings für seine Ultra-Tauglichkeit zweifeln, was vom hersteller dementiert wird. Ich denke, ich werde den Schuh einmal probieren.

Was den Lauf angeht:

Hier sind meine Impressionen dieser schönen "Erstbegehung" zu sehen:


Sonntag, 12. November 2017

Schuhe testen und mehr....

Ich trainiere im Moment dann mal so vor mich hin. Das hieß, nach dem Bottroper Herbstwaldlauf bei Bahntraining, sich mal überraschen zu lassen, wozu ich Lust hätte. Ich habe da grundsätzlich keine Hemmungen, auch einmal langsam zu machen oder nur mit Halbgas anzutreten. Schaden würde es mir auf keinen Fall, da ich immer noch schneller als alleine laufen würde und - ich gebe es freimütig zu - es auch mir schwerfällt, ohne ein Ziel vor Augen meinen Allerwertesten im Dunkeln des Abends noch von der Couch hoch zu bekommen.
Nun, es standen 4 x 1000 m und 3 x 400 m mit 200 m Trabpause an. Da ich es ja am Sonntag in Bottrop mit einer 5:16er Pace durchaus flotter hatte laufen lassen, machte ich dann mal halblang. Zumal ich als an diesem tage potenziell schnellster auch würde einen einsamen Lauf vor mir haben. 4:15 der erste 1000er, das ging ja. Trainerin Sabine bemerkte meinen noch etwas unrunden Laufstil. 4:07 der zweite, es fühlte sich nicht schneller an, sah aber wohl schon etwas besser aus. 4:02 dann der dritte. Sah schon gut aus, wie Sabine meinte. "Jetzt 3:58" schlug sie für den 4. vor. Ich wehrte dankend ab. Und lief 3:56. Nun, es ging ja scheinbar. Wenn es einmal so gut lief, konnte ich die 3 x 400 m ja auch noch anhängen. Und auch die gingen unter 90 Sekunden noch ganz gut. Fazit: Wenn man eigentlich nicht will, klappt es am Besten.
Wie bereits beschrieben bekam ich am Mittwoch meinen Hintern nicht mehr hoch, am Donnerstag dann setzte ich das "keine Lust auf Tempo" dann wirklich um und begleitete einen Lauffreund, der lange verletzt war, in der langsameren Tempogruppe bei den Intervallen 3-5-8-5-3 Minuten GAT 3. Immerhinerreichten wir auch bereits eine 5er Pace, schneller wäre nicht gut gewesen für meinen Kollegen und so machte es auch mal Spaß. Wie gesagt, besser als nichts.
Samstag hatte Marc Böhme von Laufsport Bunert Essen dann wieder zum Lauftreff an den Baldeneysee geladen, dieses Mal mit Mizuno-Schuhtest. Bei regnerischem Wetter fanden sich dennoch genügend Läuferinnen und Läufer, darunter wenige aus der Ausdauerschule und viele relativ unbekannte Gesichter. Aber ist ja auch mal interessant.
Laufsport Bunert Essen hatte in Gestalt von Marc noch im Namen des TuSem als Veranstalter des Blumensaat-Laufes zwei Freistarts ausgelobt. Die erste Quizfrage nach dem Gründungsjahr von Laufsport Bunert Essen konnte ich mit 1997 blitzschnell und als erster beantworten. Damit ging der erste Startplatz an mich. Ich erinnerte mich an die damalige Festwoche und die beiden Läufe mit Jan Fitschen und Tegla Laroupe, das war 2012. Eine tolle Sache damals.
Somit geht einer der beiden Freistarts an mich, da ich da eh eine "unter 1:45-Pace-Gruppe" aufmachen wollte, kommt mir das ganz gelegen. Wer sich da noch anschließen möchte, fühle sich hiermit herzlich eingeladen. Ich werde das graue Pacer-Shirt vom Vivawest tragen, wo hinten deutlich 1:45:00 auf dem Rücken steht.

Man führt mal neue Gespräche über alte Themen. Zum Thema Ziele und "Platzierungsdenken" steuerte ich mal den Gedanken ein, dass es in unser aller Leistungsklasse ja sowieso nur Zufall ist, wer sich sonst noch so anmeldet, welchen Platz man am Ende belegt. Selbst wenn ich eine , sagen wir 32 Minuten auf 10 km auf dem Kasten habe, findet sich in einer Stadt wie Essen mit hoher Wahrscheinlichkeit immer jemand, der jederzeit eine 31 oder weniger laufen könnte. Gewinne ich also mit einer 32, was für mich jenseits aller Vorstellungskraft wäre, bräuchte ich mir dennoch nichts darauf einbilden, denn jemand mit einer 31 hatte sich ja offensichtlich nicht angemeldet. Ich erntete wenig Widerspruch auf meine Theorie, was aber auch am forschen Tempo von 5 Min/km gelegen haben könnte.

Zum Schuhtest:

Ich fragte den Mann von Mizuno zu Beginn der Anprobe: "Ich hätte gerne einen Schuh für etwas zwischen 30 und 60. Was habt Ihr da?" "Minuten auf 10 km?" kam die Frage zurück. Nun, ich hätte mich präziser ausdrücken sollen. "Ne, Kilometer" war dann meine lächelnde Antwort, denn bis zum Frühjahr bin ich ja zunächst wieder im Ultra-Modus.  Ich entschied mich für den Wave Rider 20, für mich idealerweise in blau, was jedoch kein Entscheidungskriterium sein sollte. Ich neige lediglich zu leichter Supination, ansonsten sind meine Füße eher unproblematisch.
Die Größe US 11 1/2 entspricht der, die ich auch bei Adidas, On und Brooks-Modellen aktuell trage. Der Schuh saß gut am Fuß und verursachte keine Druck- oder Engegefühle. Die Schnürung hielt bei feuchtem Wetter und etwas über 80 Minuten Nutzung fest. Die Sohle ist deutlich profiliert und bot unterwegs bei nassem Wetter auf unterschiedlichsten Belägen auch in Kurven einen optimalen Halt. Ob auf den Holzbohlen der Ruhrbrücke, ob auf Asphalt oder Asphalt mit Laubbelag, nie geriet ich in Gefahr, weg zu rutschen und auch der Abdruck konnte gut auf die Straße übertragen werden. Hier ein klares Plus zu den Boost-Modellen von Adidas, deren Profil bei diesen Herbsverhältnissen gerne einmal dazu neigt, den Grip zu verlieren. Zu Beginn des Testlaufes über gut 16 Kilometer in 5er Pace fühlte sich der Schuh im Vorfußbereich sehr hart an, das gab sich aber gefühlt nach 4-5 Kilometern. Dafür hatte man das Gefühl, den Abdruck beim Mittelfußlauf gut übertragen zu bekommen. Die Sprengung bewegt sich mit 12 mm im mittleren Bereich, ich empfand sie als ausreichend, laufe aber zumeist in diesem Tempo Mittelfuß. Die Fersendämpfung fiel unterwegs nicht auf, was an sich ein gutes Zeichen ist. Allerdings spürt man auch keinen "Katapult-Effekt", wie beim Adidas Boost oder beim On Cloudsurfer aufgrund derer doch sehr speziellen Sohlenfabrikation.
Am Ende beschleunigten wir noch einmal auf eine Pace von 4:15, auch hier tat der Schuh das, was ein guter Laufschuh meiner Meinung nach tun muss: Er fiel mir nicht auf, sprich, ich spürte ihn nicht. Also passt auch das Gewicht. Für mich durchaus eine ernst zu nehmende Alternative, ob allerdings auch für Distanzen jenseits der 30 Kilometer in deutlich langsamerem Tempo, vermag ich nach diesem eher flotteren Test nicht zu sagen. In der Preisempfehlung des Herstellers liegt das Modell bei rund 140 €, was heute ja leider schon im mittelpreisigen Bereich anzusiedeln ist. Für mich zu diesem Preis nicht interessant, grundsätzlich jedoch ein guter Trainings- und Wettkampfschuh. Aber eine Preisdiskussion über die gefühlte enorme Verteuerung von Laufschuhen in den letzten 10 Jahren will ich hier nicht aufmachen.
Mizuno Rider 20 - ein guter, unspektakulärer Allrounder sozusagen. Grundsätzlich empfehlenswert.

Und was ja das Allerbeste ist: Hier haben Läufer wirklich die Chance, unterschiedlichste Schuhe und Fabrikate im Echteinsatz zu testen, nicht nur kurz im oder vor dem Laden oder auf dem Laufband. Eine Tolle Sache, die Laufsport Bunert Essen hier anbietet!
http://essen.bunert.de/lauftreff

Sonntag dann noch eine 8,5 km -Waldrunde im nachlassenden Regen bei gerade 6 Grad mit Claudia absolviert. Auch wenn es schwer fällt, an das Wetter muss man sich langsam gewöhnen. Als passionierter Wärmeläufer fällt mir das im Winter nicht leicht. Aber da kommt mir zugute, dass es ja im Moment nur ums Kilometer sammeln geht.